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presse / review

 
 
 
 
 
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
CITY FLYER / ONLINE UND PRINT AUSGABE // 20.JULI 2006

Parque del Sol

28.07.-06.08.06: Mit einem Symposium für interdisziplinäre Kunst - dem „Parque del Sol“ - soll der skw83 zehn Tage lang zur Homebase internationaler Künstler und Kunstinteressierter umfunktioniert werden.
Bisher haben sich die Künstler des Kulturverein Lames durch die Organisation und Durchführung exquisiter Musikveranstaltungen und da vor allem im Bereich der elektronischen Musik hervor getan. Mit einem Symposium für interdisziplinäre Kunst - dem „Parque del Sol“ - soll der skw83 nun zehn Tage lang zur Homebase internationaler Künstler und Kunstinteressierter umfunktioniert werden.

Musik und Sonne prägen die Lames-Welt, seit der Grundstein für das Künstlerkollektiv um Andreas Fränzl (Sänger von Bauchklang, DJ Lichtfels) und Markus Weidmann (Visualist Quartz) mit ersten audiovisuellen Versuchen und Auflegereien im Gebäude der ehemalingen Malerei Frostl gelegt wurde. Vor fast zehn Jahren. Vor allem die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern ließen das Lames-Teil wachsen und sich entwickeln, sodass inzwischen fast alle Kunstsparten abgedeckt werden können.

Untrennbar mit Lames assoziiert wird der SKW. Das Grundstück am Spratzerner Kirchenweg 83 wurde nach dem Verlust der alten Proberäume im Frostl-Gebäude durch Unterschriftenaktionen und unzählige, durch starkes Künstleraufgebot geprägte, Diskussionen mit der Stadt von dieser zur Verfügung gestellt. „Der SKW wurde sehr hart erkämpft. Kunst braucht ihren Freiraum und ihren Platz. Das den Stadtoberen zu vermitteln, ist nicht immer leicht“, meint Quartz und ergänzt: „es macht mich traurig, wie wenig Unterstützung oder Interesse von der Stadt bezüglich des Domizils am Kirchenweg gezeigt wird.“ (zuerst müsste einmal die ungeklärte Zuständigkeitsfrage zwischen Kulturamt und Gebäudeverwaltung erledigt werden).

Mit dem fertigen Konzept und den Vorbereitungen für das, von 28.Juli bis 6. August stattfindenden Symposium interdisziplinärer Kunst 2006 mit dem Namen „Parque del Sol“ sollte es zumindest gelingen, für Aufmerksamkeit zu sorgen. Hauptziel ist es, zehn Tage lang das gesamte Gebäude und das ganze Grundstück für künstlerische Aktivitäten zu nutzen. „Die meisten Besucher kennen vom skw nur das Hauptgebäude und den Innenhof. Das Symposium soll das ändern. Auf den, über das ganze Gelände verteilten, Kunst-Stationen werden Lesungen, Performances, Ausstellungen, offene Werkstätten und Konzerte stattfinden“, gibt Quartz Auskunft und ergänzt: „Ihr werdet euch wundern, was der Garten alles kann.“

Innerhalb eines vagen Rahmenprogramms sollen ohne Zeitdruck und im Austausch mit Künstlern verschiedenster Richtungen und Herkunft und zahlreichen, mit Geländeplänen versorgten, Besuchern Synergien und Projekte entstehen, fertiggestellt und präsentiert werden. Die nötige Infrastruktur wird vom Verein unter anderem mit Werkstätten, Strom und drei bis vier Küchen geboten, wobei Künstler wie Besucher auf dem fast schockierend riesigen und aus voriger Generation komplett begrünten Grundstück campieren können.
Für die Umsetzung zeichnen sich rund zehn Lames-Mitglieder (Fränzl, Weidmann, Weber sowie Hrdina, Harmer, Faschingeder, Herzog, Schopf, Winkler, Schleifer, Hotzmann u.a.) verantwortlich.

Headliner will man noch keine filtern, viel mehr auf die Page www.lames.at verweisen, auf der ständig neue Künstler und deren Lebensläufe angekündigt werden und die als Informationsseite während des Symposiums dient.
Nicht ausschließlich Kunstgeschehen ist der „Parque del Sol“. Party wird, nachdem die Künstler das Symposium am 28. für sich eröffnen am 29. bei der Eröffnungsfeier gemacht, genauso wie man annehmen darf, dass das auch bei der noch anzukündenden Abschlussveranstaltung geschehen wird.

Dass der „Parque del Sol“ einen mehr als außergewöhnlichen Plan zur Basis hat, liegt auf der Hand, das unglaubliche Potential ebenso. Wie sich die Veranstaltung entwickeln und St. Pölten darauf reagieren wird, bleibt abzuwarten.

www.lames.at

-lh-



CITY FLYER / ONLINE UND PRINT AUSGABE // 01.AUGUST 2006
Parque del Sol Eröffnung
 
REVIEW: Peter Nidezky & The Spooky Kids setzten auf der Open Air Stage am Parque del Sol gerade zum ersten Noisegewitter an, als ein Platzregen die Bühne fast wegspülte. Ein verkürztes Eröffnungsprogramm gab es dennoch.
So ein Pech aber auch! Die kleine City-Flyer Delegation (Claudia und Werner) trifft fünf Minuten zu spät ein. Zu spät, um die offizielle musikalische Eröffnung auf der Hauptbühne des "Parque del Sol" von PETER NIDEZKY & THE SPOOKY KIDS mitzuverfolgen. Wir sehen nurmehr die Musiker in durchnässten schwarzen Anzügen ins rettende Zelt laufen. "So ein Scheiß auch. Scheiß Scheiß." Allerdings. Umfragen bei den, ebenfalls ins Trockene geflüchteten Zuhörern ergaben ein disparates Bild. Von "orgiastischen Lärmwellen" bis hin zur Bitte um Oropax reichten die Wortspenden. Die Musiker selbst waren entnervt ob ihres Kurzauftritts. "Gerade als wir zu spielen begannen setzte der Platzregen ein und binnen Minuten stand die Bühne unter Wasser. Wasser und Strom vertragen sich bekanntlich nicht und wir mußten uns schnell aus dem Staub machen, um keinen Stromschlag abzukriegen."

Der Regen verlangte die erste der zahlreichen wetterbedingten Improvisationen während des 10-tägigen Symposiums, und diese hatte das Kippen des gesamten Programmsablaufs des ersten Tages zur Folge. Der Auftritt von LLAMAR mußte aus Zeitgründen gecancelt werden, jener von MASALLAH wurde in den Schwarzen Raum verlegt.
Masallah, der erst am 7. Juli in der Seedose sein offizielles Coming Out als Elektroniker hatte (Masallah aka David Durstberger werkt ansonsten in der Rockband Beverly Hells), hielt sich diesmal mit den Breakbeats zurück und bereitete sehr tanzbare Techno- und Houseloops für seinen Gig im skw83 vor. Dadurch kam auch seine Begleitung mittels Theremin besser zur Geltung. Getanz hat leider niemand. Erstens waren die Zuhörerreihen durch den vorangegangenen Regen gelichtet und zweitens animiert das parallel dazu abgespulte Horrorvideo "Tetsuo" nicht unbedingt zum "raisen der hands".
Die von Hand geschnitzten Visuals fanden jedoch allerorts großen Anklang. Ein Uhrglas, in dem eine perlende rote Flüssigkeit schwappte, die mittels Overhead an die Wand geworfen wurde … muß ja nicht immer Computer sein, wenn es leichter und besser geht.

Inzwischen hatte eine Putzkolonne die Hauptbühne im Hof des skw wieder flott gekriegt und der lange in Schwebe gestandene Auftritt von TINI TRAMPLER & DIE BORDELLBAND konnte doch noch stattfinden.
Eine rechte Vorstellung von der zu erwarteten musikalischen Performance hatte wohl niemand und so nahm das versammelte Publikum die "Abendgarderobe" der drei Künstler einmal gelassen zur Kenntnis. In Unterhose bzw. Nachthemd trugen Tini Trampler, Florian und Jakob Kovacic sechs Lieder an die unerfüllte Liebe vor, unterbrochen von den Performances der "Bordellkäfer" Birgit Rinagl und Peter Ferstl.
Tramplers Songs mit verruchten deutschen Texten mit französischem Akzent gesungen bringe ich mit dem Berlin der Dreißigerjahre des vorigen Jahrhunderts in Verbindung. So stelle ich mir eine Vorstellung in einem Varieté von damals vor. Keine Ahnung warum. Die Mimik? Die hysterische Gestik der Sängerin? Die Texte über die sich verzehrende Liebe? Ja selbst die patscherten Begattungsversuche der beiden Bordellkäfer passten ins Bild.
Die Fragezeichen wurden auch nach dem Auftritt nicht viel weniger, ein Spaß war Tramplers Auftritt jedoch auf alle Fälle.

Im Schwarzen Raum wurden inzwischen die Wheels in Bewegung gebracht und MUZIKFRANZ, PATRIQUE und MOTORPITCH legten mit einer kräftigen Portion fetter Hip Hop Beats los. Die drei Meister ihres Faches hätten sich sowohl mehr Publikum als auch mehr Aufmerksamkeit verdient, aber wenn der Zeitplan aufgrund der äußerst ungünstigen Wetterbedingungen so aus dem Ruder läuft, hat sich dieses Manko wohl nicht vermeiden lassen. Die, die da waren, hatten das Set genossen.

Schon der erste Tag lieferte mit seinem Angebot an künstlerischer Vielfalt eine ungefähre Vorstellung, um was es den Organisatoren des Symposiums geht: um ein gegenseitiges Kennenlernen und Zusammenführen von bisher streng abgegrenzen Kunstformen. Noiserock, Chansons, Elektro- und Technobeats an einem Abend und unter einem Dach hat es in St. Pölten noch nicht gegeben. Und jetzt spreche ich nur von den Dingen, die ich am Eröffnungstag mitbekommen habe.

Mal sehen, was die nächsten Tage bringen werden.

-wh-


CITY FLYER / ONLINE UND PRINT AUSGABE // 06.AUGUST 2006

Boing, Bumm, Tschak

REVIEW: Keine große Gesten, dafür schörkelloses Pophandwerk mit Hang zum politischen Statement stand am zweiten Freitag beim "Parque del Sol" am Programm. Ein durchaus stimmiges Lineup.
Das Wahrnehmen des Sonn- und Wochentagprogramms vom "Parque del Sol" schmälert die persönlichen Zeitressourcen schon ordentlich. Die umfangreiche Künstlerschau wird wohl nur von ebenjenen besucht worden sein, mit einem 9 to 9 Job macht man wochentags naturgemäß keine großen Sprünge.
Dass mir dadurch so interessante Acts wie CAPELLA INKOGNITA , ESCORIAL GRÜN (So), FRANZ POMASSL, ANDRÉ HÖSCHELE, VIRGONOISE (Mo), LEHEN, SOUS FLEUR (Di), A VANITY (Mi), TOBI BINÄR und ALOIS HUBER (Do) entgangen sind, schmerzt sehr. Nicht zu vergessen die Lecture Party am Donnerstag, die interdisziplinäre Wissensvermittlung von Leuten, die es wissen müssen und als solche ein absolutes Novum in St. Pölten.
Um die durch Abwesenheit entstandenen Wissenslücken zu schließen, verweise ich auf die Homepage vom Kulturverein la musique et sun www.lames.at. Dort ist gerade eine Dokumentation der Ereignisse rund um den "Parque del Sol" im Entstehen.

Am Freitag ist unsereiner wieder live dabei, wenngleich nicht von Anfang an. Der Regen hält an, die Open Air Bühne wurde aufgegeben und Improvisation ist gefragt. Die Werkstatt und der schwarze Raum müssen als Bühne herhalten, um das Programm halbwegs im Zeitplan durchzubringen. Ich schneie in ein Livekonzert von CHRISI TEE rein, der auf fettkakaorecords musikalische Miniaturen verfasst und dort eine Menge Artwork beisteuert.
Die Onemanshow mit Keyboards hat niemanden von den Sesseln gerissen, war als solche auch gar nicht konzipiert. Eher als Hintergrundmusik für den Standardleser. Die Zuhörer klatschen artig (man kennt sich ja) und wechseln in den Nebenraum, in dem GSCHU Aufstellung nimmt. Mit den Zuhörern wechselt auch Chris Tee den Raum, da dieser auch das erste Mal bei Gschu die Trommeln rühren wird.
GSCHU, das erste Fohlen im Rennstall von Siluh Records, ist eigentlich eine Einmann-Laptopband. Bei Liveauftritten läßt sich Gschu aber gerne von Freunden unterstützen, das Lineup ergibt dann die ideale Besetzung für eine Indie-Pop-Band mit Gitarre (Gschu), Bass (Joe) und Schlagzeug (Chris).
Obwohl unplugged, kommt der improvisierte Auftritt hinter der Bar eher einem situationistischen Angriff einer Musikerguerilla gleich: nicht recht wissen, was zu tun ist, das aber ungestüm und offenherzig, sodass Gschu nur gewinnen konnten. Den Publikumsreaktionen zufolge taten sie das auch.
Inzwischen checken FIRST FATAL KISS Bass, Synthie, Geige und Schlagzeug für den nächsten Auftritt. FFK wären in der Situationistischen Schublade auch gut aufgehoben, aber Schubladen sind nichts für die Mädchenband mit Hang zum minimalistischen Punkwave der 80er. Im Gegensatz zu vielen Riotgrrrl-Bands verzichten FFK auf martialisches Gitarrengepose und greifen stattdessen schon mal zur Geige. Der Wechsel der Instrumente ist Programm, so etwas wie einen "Bandleader" läßt sich nicht ausmachen und wenn's passt, dann singt eben Schlagzeugerin Birgit Michlmayr.
Irgendwo hab ich den Vergleich mit den Slits gelesen, der vielleicht von der linken und feministischen Haltung her passend sein mag, musikalische Verweise auf diese konnte ich aber keine entdecken.
Woher hingegen NIN COM POOP ihre musikalischen Wurzeln haben, liegt auf der Hand: einmal politisch motivierter Elektropunk á la Cobra Killer bzw. Mediengruppe Telekommander, eingewickelt in sexy EBM, wenn man die Deutsch Amerikanische Freundschaft als solchen bezeichnen möchte und schon ist man NIN COM POOP auf der Spur. Mit der Situationistenschublade brauchen wir hier erst gar nicht zu drohen, die beiden Wiener bezeichnen sich gleich selbst als situationistisch-plagiaristisch und wollen uns damit auf ihre Vorliebe für geklaute Zextzeilen aus Abba- bis Wiperssongs hinweisen. Dass Autor Stewart Home ganz nebenbei auch noch zu Ehren kommt, bringt zusätzlich 100 populärkulturelle Wissenspunkte. Umgesetzt werden die deftigen Punk-Electro-Sounds mit zwei Mikros, einem Minidisk Player und vollem Körpereinsatz. Eine Bühne gibt es nicht, die Slogans werden von Handzetteln gelesen, während man durchs Publikum marschiert. Eine Pyroshow, ein Kokettieren mit der Travestie, viel Glammer und Heiligenschein beschäftigen die Sinne der Zuschauer, während sie zu den stampfenden Beats tanzen.
NIN COM POOP samplen, zitieren, plagiieren was das Zeug hält und sind trotzdem die originellste Formation des Abends. Gibt es so etwas wie eine Authentizität des nicht authenten?

-wh-


CITY FLYER / ONLINE UND PRINT AUSGABE // 08.AUGUST 2006

Parque del Sol, der Samstag

REVIEW: St. Pöltens beste Band, die bislang noch nie in St. Pölten spielte? Drei Steirerbuam, die den Hiesigen zeigen, wie man im Jahr 2006 Rock'n'Roll spielt? GOD SENT US und KILLED BY 9V BATTERIES im Schwarzen Raum.
Samstag der 5. August 2006 am skw83. So lange her und doch so präsent, als wäre es gestern gewesen. Der letzte Tag des interkulturellen Symposiums „Parque del Sol“ geriet zur furiosen Gitarrenschlacht. Die drei jungen Steirer von KILLED BY 9V BATTERIES, die bereits zum dritten Mal in St. Pölten gastierten, ließen mit ihren aggressiven LoFi-Attacken manch hartgesottenen Indieexperten aus der Fassung geraten. Frontmann Wolfgang Möstl marterte sich und seine Gitarren derart, dass Angst um Mensch und Equipment durchaus berechtigt schien. Die Noiseausbrüche aus der PA standen Pate für die spastischen Gebärden des Sängers und Gitarristen. Der kurze und intensive Gig endete mit totalem Material- und Personalausfall. Nichts ging mehr und das erschöpfte Tio hinterließ ein Schlachtfeld. Nirgendwo sonst passt der Spruch von der Katharsis durch Musik besser als bei dieser Show.

GODSENTUS, die beste St. Pöltner Band, die bisher noch keiner in stp-Rockcity (?!) zu hören bekam, schlugen - mit anderen Mitteln - in dieselbe Kerbe. Wo Killed By 9V Batteries ihren Zorn noch irgendwie artikulieren wollen, setzen GodSentUs nur noch auf gutturales Gegrunze. Warum kommunizieren, wenn alle Schlachten ausgefochten sind? Das exakte Gedresche des Dreiers spricht sowieso für sich. Grindcore at it’s best und das aus stp. Unfassbar! Fest steht: der „Parque del Sol“ ist die beste Erfindung seit es St. Pölten gibt.



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